Diverse Zeitungsartikel
Links
6.4.2011 FAZ: Wissen:
Volk der Bienen, quo vadis?
25.8.2009 Spiegel-Online: Wissenschaft:
Forscher finden Grund für Bienensterben
17.9.2008 Berliner Morgenpost: Wissen News:
Bestäuber erarbeiten Milliarden Euro
11.9.2008: FORSCHUNG AKTUELL - MELDUNGEN:
Bienen, die viel arbeiten, bekommen von ihren Kolleginnen einen Honigsnack
16.6.2008: "Der Spiegel" Artikel mit unserem Imkerkollegen Emil Wiedenhöft:
Tiere / Honigschlecken in der City
30.1.2008 Berliner Morgenpost::
Honig ist der beste Hustensaft
Artikel der Zeit-Online:
Die Biene und das Biest
Honigbienenart in der Sahara entdeckt
Imker beklagen massives Bienensterben
Pollenmangel schwächt Immunsystem
Ein gestörtes Eiweiß schwächt die Bienen
Irgendwer muss Berlins 3000 Königinnen pflegen
Artikel
Das Geschäft brummt
Es summt nicht mehr
Kreuzungen in der Flugbahn
Maja summt nicht mehr
20 Fragen an den Spargel
Wenn die Natur erwacht
Asiatische Hornissen fressen Bienen
Imker in der Region bangen um ihre Völker
Das spurlose Sterben
Arbeiterin mit Migrationshintergrund
Berliner Bienenforscher über Insektentanz und Lernprozesse
Biene in Bernstein
Bienen können ähnlich planen wie Menschen
Das Genom der Honigbiene ist entschlüsselt
Honigschlecken in der Mini-Platte
Leben in Staaten oder in Einsamkeit
Mit Bienen schwindet Vielfalt der Pflanzen
Parfums machen Wespen aggressiv
Schock durch giftige Biester
Staat der sanftmütigen Bienen
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Aus dem Tagesspiegel vom 10. August 2008, von Eva Kalwa:
Das Geschäft brummt
Die Honigsammler von Berlin: Unter den Großstädtern steigt das Interesse an der Imkerei.
Hell leuchten die orangefarbenen Höschen aus Blütenpollen. Eifrig krabbeln die Arbeiterinnen mit ihrer an den Hinterbeinen gesammelten Nahrung in das enge Flugloch: Ihre Behausung, Beute genannt, erkennen sie an einer speziellen Farbkombination, und vor allem riechen sie die lockenden Botenstoffe ihrer Königin. Die trägt, ist sie 2008 geschlüpft, beim Imkerverein Neukölln einen roten Punkt auf dem Leib – allerdings brauchen nur Menschen die optische Orientierungshilfe. Denn die Bienen riechen so ausgezeichnet, dass sie immer wieder zu ihrer Weisel, zur Königin, zurückfinden – selbst wenn direkt daneben noch andere Bienenstöcke stehen. Trotz der Nähe kommt es ausgesprochen selten zu gegenseitigen Aggressionen. „Nur wenn es keine Tracht mehr gibt, die Blütezeit von Raps, Kastanie, Robinie und Linde also vorüber ist, versucht manchmal ein Volk einen Raubzug“, erzählt Gutrun Timm, Zuchtverantwortliche des Berliner Imkerverbandes.
Die 69-Jährige betreibt die Imkerei seit über 40 Jahren und erinnert sich lachend an ihre ersten Anfänge: „Völlig hilflos stand ich 1966 vor diesen fürchterlich stechenden Völkern!“ Angriffslustige Bienen – das war einmal. Mittlerweile hat sich in Deutschland die Zucht der Carnica-Rasse durchgesetzt, sie ist im Vergleich zu der streitlustigen dunklen Nordbiene wesentlich sanftmütiger. So wird Timm heute nicht mehr so oft gestochen. „Und wenn, dann bin ich meist selbst schuld, stehe im Weg oder fasse direkt auf die Tiere.“ Wer allerdings stark parfümiert oder nach einem Glas Bier oder Wein an die Bienenstöcke gehe, solle sich nicht wundern: Zu intensive Gerüche mögen die emsigen Fluginsekten gar nicht. Doch meist reicht schon ein bisschen Rauch aus dem kleinen „Smoker“, damit der Imker beim Herausnehmen der Waben nicht gestochen wird. Und für ängstliche Besucher hat man Schutzkleidung parat.
Ob über das richtige Verhalten am Stock, Bienenrassen, Zucht, Einfüttern, Überwintern, das Bienenharz Propolis, die Wachsschmelze oder das abschließende Honigschleudern: Die Naturfreundin Timm ist ein wandelndes Imkerei-Lexikon. Bis ins kleinste Detail weiß sie über alles Bescheid – und gibt gemeinsam mit Schatzmeisterin Regina Veisz in Neukölln ihre reiche Erfahrung gern an Nachwuchsimker weiter. Denn das Interesse an der Bienenzucht ist in Berlin in den letzten Jahren gestiegen. Mehr als 2500 gesunde Bienenvölker, fast alle davon aus Hobby-Imkereien, leben in der Stadt. Bei maximal 60 000 Tieren pro Volk ist das eine stattliche Anzahl Bienen.
Generell gilt: Je mehr Bienen, umso besser. Denn rund 80 Prozent aller Pflanzen sind auf Fremdbestäubung angewiesen, etwa ebenso viel davon werden von Honigbienen bestäubt. Über ein Drittel aller menschlichen Nahrung ist damit direkt und indirekt von Bienen abhängig. Ob der Satz, wie oft behauptet, tatsächlich von Albert Einstein stammt oder von jemand anderem – die radikale Schlussfolgerung ist nicht so weit hergeholt: „Wenn die Biene verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“
Da in den Berliner Gärten, Parks, auf Friedhöfen oder in Kleingartenanlagen auf engstem Raum eine Vielzahl von Pflanzen wachsen, ist der hiesige Blütenhonig besonders vielfältig, die Bienenweide ist durch viel weniger Monokulturen geprägt als in ländlichen Gebieten. Das macht die Großstadt zu einem attraktiven Zuchtgebiet, und die 13 Berliner Imkervereine helfen Interessenten gern, ein eigenes Volk heranzuziehen, um schon nach ein paar Monaten den ersten Honig ernten zu können.
Auf dem Gelände des Imkervereins Neukölln in Rudow werden Imker-Neulinge für 90 Euro in ihrer ersten Saison intensiv betreut: Anfang Frühjahr bekommen sie den Ableger eines Volkes samt Königin, kümmern sich wöchentlich unter Anleitung darum und schleudern im Juli dann den ersten eigenen Honig. Und das können durchaus schon sechs Kilo und mehr sein.
Jetzt, am Ende der Saison, müssen sich die Jung-Imker entscheiden, ob sie ihr Volk mit nach Hause nehmen wollen – fast alle wollen weitermachen. Acht Interessenten haben Timm und Veisz in diesem Jahr begleitet, für das kommende haben sich schon vier neue angemeldet. „Wir können leider gar nicht alle aufnehmen, die möchten“, berichtet Veisz. Doch natürlich freuen sich die Vereine über das wachsende Interesse.
„Denn es ist einfach wunderbar, abends bei gutem Wetter an seinen eigenen Bienenstöcken vorbeizugehen und den Duft von Linde oder Ahorn zu riechen. Da ist ein kleiner Stich ab und an nicht schlimm“, sagt Gutrun Timm und betrachtet die Biene, die kurz über ihre Schulter krabbelt und dann wegfliegt. Ohne zu stechen.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.imkerverband-berlin.de oder unter der Telefonnummer 751 5188.

Aus dem Tagesspiegel vom 13. Mai 2007, von Heike Jahberg und Rita Neubauer:
Es summt nicht mehr
In den USA bedroht der massenhafte Tod der Bienen die Landwirtschaft. Die Wissenschaftler sind ratlos.
San Francisco/Berlin - Gene Brandi aus dem kalifornischen Los Banos ist entsetzt. Im vergangenen Jahr hatte der Imker 2000 Bienenstöcke, nun sind es nur noch 1200. „Eine Katastrophe”, sagt Brandi. Andere hat es noch schlimmer getroffen. Sein Kollege David Bradshaw aus dem kalifornischen Visalia verlor sogar 90 Prozent seiner Bienenstöcke und fürchtet nun um seinen Lebensunterhalt.
Unter den amerikanischen Imkern und Landwirten geht die Angst um. Massenhaft verschwinden Bienen, und keiner weiß warum. Immer mehr Bienenhalter, die nach den Wintermonaten ihre Bienenstöcke öffnen, berichten das Gleiche: Es sind keine Bienen da, weder lebendige noch tote. Wenn überhaupt, sitzt noch die Königin im Bau, umringt von einigen Jungtieren. Doch sie alle verhungern, weil die Arbeitsbienen, die die Nahrung herbeischaffen, fehlen.
Bienenvolk-Kollaps oder CCD (Colony Collapse Disorder) nennen die Wissenschaftler das Phänomen. Ein Viertel der 2,4 Millionen Bienenstöcke und damit Milliarden von Honigbienen sind bereits verschwunden, schätzt der US-Imker-Verband Apiary Inspectors of America. Mehr als die Hälfte aller Bundesstaaten in den USA ist betroffen, auch Teile Kanadas.
Nicht nur die Imker machen sich Sorgen, auch das US-Landwirtschaftsministerium ist alarmiert. 80 Prozent der Bestäubungen von Obstbäumen und Gemüsen erledigen Bienen, rund ein Drittel der Ernährung der Amerikaner basiert auf Pflanzen, die von Insekten bestäubt werden. Aber auch Steakliebhaber sind betroffen. Rinder ernähren sich unter anderem von LuzernHell leuchten die orangefarbenen Höschen aus Blütenpollen. Eifrig krabbeln die Arbeiterinnen mit ihrer an den Hinterbeinen gesammelten Nahrung in das enge Flugloch: Ihre Behausung, Beute genannt, erkennen sie an einer speziellen Farbkombination, und vor allem riechen sie die lockenden Botenstoffe ihrer Königin. Die trägt, ist sie 2008 geschlüpft, beim Imkerverein Neukölln einen roten Punkt auf dem Leib – allerdings brauchen nur Menschen die optische Orientierungshilfe. Denn die Bienen riechen so ausgezeichnet, dass sie immer wieder zu ihrer Weisel, zur Königin, zurückfinden – selbst wenn direkt daneben noch andere Bienenstöcke stehen. Trotz der Nähe kommt es ausgesprochen selten zu gegenseitigen Aggressionen. „Nur wenn es keine Tracht mehr gibt, die Blütezeit von Raps, Kastanie, Robinie und Linde also vorüber ist, versucht manchmal ein Volk einen Raubzug“, erzählt Gutrun Timm, Zuchtverantwortliche des Berliner Imkerverbandes.
Die 69-Jährige betreibt die Imkerei seit über 40 Jahren und erinnert sich lachend an ihre ersten Anfänge: „Völlig hilflos stand ich 1966 vor diesen fürchterlich stechenden Völkern!“ Angriffslustige Bienen – das war einmal. Mittlerweile hat sich in Deutschland die Zucht der Carnica-Rasse durchgesetzt, sie ist im Vergleich zu der streitlustigen dunklen Nordbiene wesentlich sanftmütiger. So wird Timm heute nicht mehr so oft gestochen. „Und wenn, dann bin ich meist selbst schuld, stehe im Weg oder fasse direkt auf die Tiere.“ Wer allerdings stark parfümiert oder nach einem Glas Bier oder Wein an die Bienenstöcke gehe, solle sich nicht wundern: Zu intensive Gerüche mögen die emsigen Fluginsekten gar nicht. Doch meist reicht schon ein bisschen Rauch aus dem kleinen „Smoker“, damit der Imker beim Herausnehmen der Waben nicht gestochen wird. Und für ängstliche Besucher hat man Schutzkleidung parat.
Ob über das richtige Verhalten am Stock, Bienenrassen, Zucht, Einfüttern, Überwintern, das Bienenharz Propolis, die Wachsschmelze oder das abschließende Honigschleudern: Die Naturfreundin Timm ist ein wandelndes Imkerei-Lexikon. Bis ins kleinste Detail weiß sie über alles Bescheid – und gibt gemeinsam mit Schatzmeisterin Regina Veisz in Neukölln ihre reiche Erfahrung gern an Nachwuchsimker weiter. Denn das Interesse an der Bienenzucht ist in Berlin in den letzten Jahren gestiegen. Mehr als 2500 gesunde Bienenvölker, fast alle davon aus Hobby-Imkereien, leben in der Stadt. Bei maximal 60 000 Tieren pro Volk ist das eine stattliche Anzahl Bienen.
Generell gilt: Je mehr Bienen, umso besser. Denn rund 80 Prozent aller Pflanzen sind auf Fremdbestäubung angewiesen, etwa ebenso viel davon werden von Honigbienen bestäubt. Über ein Drittel aller menschlichen Nahrung ist damit direkt und indirekt von Bienen abhängig. Ob der Satz, wie oft behauptet, tatsächlich von Albert Einstein stammt oder von jemand anderem – die radikale Schlussfolgerung ist nicht so weit hergeholt: „Wenn die Biene verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“
Da in den Berliner Gärten, Parks, auf Friedhöfen oder in Kleingartenanlagen auf engstem Raum eine Vielzahl von Pflanzen wachsen, ist der hiesige Blütenhonig besonders vielfältig, die Bienenweide ist durch viel weniger Monokulturen geprägt als in ländlichen Gebieten. Das macht die Großstadt zu einem attraktiven Zuchtgebiet, und die 13 Berliner Imkervereine helfen Interessenten gern, ein eigenes Volk heranzuziehen, um schon nach ein paar Monaten den ersten Honig ernten zu können.
Auf dem Gelände des Imkervereins Neukölln in Rudow werden Imker-Neulinge für 90 Euro in ihrer ersten Saison intensiv betreut: Anfang Frühjahr bekommen sie den Ableger eines Volkes samt Königin, kümmern sich wöchentlich unter Anleitung darum und schleudern im Juli dann den ersten eigenen Honig. Und das können durchaus schon sechs Kilo und mehr sein.
Jetzt, am Ende der Saison, müssen sich die Jung-Imker entscheiden, ob sie ihr Volk mit nach Hause nehmen wollen – fast alle wollen weitermachen. Acht Interessenten haben Timm und Veisz in diesem Jahr begleitet, für das kommende haben sich schon vier neue angemeldet. „Wir können leider gar nicht alle aufnehmen, die möchten“, berichtet Veisz. Doch natürlich freuen sich die Vereine über das wachsende Interesse.
„Denn es ist einfach wunderbar, abends bei gutem Wetter an seinen eigenen Bienenstöcken vorbeizugehen und den Duft von Linde oder Ahorn zu riechen. Da ist ein kleiner Stich ab und an nicht schlimm“, sagt Gutrun Timm und betrachtet die Biene, die kurz über ihre Schulter krabbelt und dann wegfliegt. Ohne zu stechen.
Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.imkerverband-berlin.de oder unter der Telefonnummer 751 5188.
en, die von Bienen bestäubt werden.
Wissenschaftler arbeiten seit Monaten fieberhaft daran, herauszufinden, was das massive Bienensterben auslöst. Nun haben sie einen ersten Krankheitserreger gefunden, einen Parasiten mit Namen „nosema ceranae”, erklärt Diana Cox-Foster, Insektenexpertin an der Pennsylvania State University. Andere haben die Varroa-Milbe im Verdacht. Der Parasit setzt den Bienen erheblich zu. Die Milbe sticht das Insekt an und hinterlässt ein kleines Loch im Chitin-Panzer der Tiere, durch das Sekundärinfektionen eindringen können.
Der Vorsitzende des Berliner Imkerverbandes, Jürgen Hans, vermutet, dass Antibiotika zum Bienenschwund beitragen. In den USA seien fast alle Tiere mit Medikamenten behandelt, damit sie nicht an „Faulbrut“ erkranken. In Deutschland sei das anders. Denn bei uns würden die Bienen vor allem für die Honiggewinnung eingesetzt, in den USA dagegen zur Bestäubung von Pflanzen.
US-Umweltschützer glauben dagegen, dass die einseitige Agrarwirtschaft schuld sei, die den Tieren die Nahrungsgrundlage entziehe. Kritisch sehen sie auch den Anbau genmanipulierter Pflanzen, wie Raps, Bt-Mais und Bt-Baumwolle, die in den USA großflächig angebaut werden. Die größte Umweltorganisation der USA, der Sierra Club, hat sich bereits an den US-Senat gewandt und gefordert, den Zusammenhang zwischen Gentechnik und Bienensterben unter die Lupe zu nehmen. Die Umweltschützer verdächtigen ein Toxin-Gen des Bodenbakteriums „Bacillus thuringiensis” (Bt), das in den insektenresistenten Mais- und Baumwollpflanzen enthalten ist.
In Deutschland glaubt man nicht an einen Zusammenhang zwischen Gentechnik und Bienensterben. BT-Mais sei nicht chronisch giftig für Bienen, heißt es im Bundesverbraucherschutzministerium. Dennoch ist Minister Horst Seehofer (CSU) alarmiert. „Der Minister will wissen, ob das Bienensterben auch bei uns auftreten könnte“, sagte eine Sprecherin dieser Zeitung.
Noch braucht sich Seehofer aber nicht zu sorgen. „In diesem Winter sind nur 8,9 Prozent der Völker verschwunden“, sagt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund, der 81 000 der 84 000 deutschen Imker vertritt. Das sei ein ganz normaler Wert. Völkerverluste von zehn Prozent könnten „locker ersetzt“ werden.
Obwohl das rätselhafte Bienensterben Deutschland bislang nicht erreicht hat, sind auch die hiesigen Imker in Sorge. Denn besonders auf dem Land finden die Tiere nicht genug Futter. Das liegt an den Monokulturen in der Landwirtschaft. Ist der Raps im Frühjahr verblüht, finden die Bienen kaum noch Blumen oder Blüten.
Verglichen damit ist das Bienenleben in Berlin paradiesisch. „Berlin ist eine grüne Stadt“, sagt der Berliner Imker Jürgen Hans. In den Gärten, Parks und Wäldern haben die Tiere bis zum Herbst ausreichend Nahrung. 500 Imker gibt es in der Stadt, die meisten betreiben die Bienenzucht als Hobby. Aber auch hierzulande müssen sich die Bienen mit härteren Umweltbedingungen arrangieren. Weil der Herbst immer wärmer wird und immer länger dauert, seien die Bienen auch länger aktiv als früher, sagt Hans. Während sich die Tiere in der Vergangenheit im September in den Stock zurückgezogen und Winterruhe eingelegt haben, sind sie jetzt im Stress. Für einige ist das zu viel: Manche Arbeitsbiene kehrt daher aus der Winterpause nicht zurück.

Aus dem Tagesspiegel vom 16. April 2007:
Wenn die Natur erwacht
Gene, Licht und Wetter entscheiden, wann der Lenz uns endlich grüßt
Wenn sich in Feld, Wald und Wiese nach einem Winter alles regt und zu wachsen beginnt, spricht man vom Frühlingserwachen. Zaghaft oder explosiv, langsam oder schnell, verfrüht oder spät kann dieses jährliche Ereignis verlaufen. Dabei wird der Beginn des Frühjahrs entweder astronomisch (Frühjahrs-Tag-undNacht-Gleiche, dieses Jahr am 21. März), kalendarisch (ebenfalls 21. März), meteorologisch (1. März) oder phänologisch (nach den Entwicklungserscheinungen in der Natur) festgelegt. Während in den ersten drei Fällen ein festes Datum den Frühlingsanfang bestimmt, ist der phänologische Frühlingsanfang nicht so einfach zu definieren: Ist es der erste aus Afrika zurückgekehrte Storch, der abendliche Balzgesang der Amsel, die Blüte der Schneeglöckchen oder doch erst die spätere Blüte der Apfelbäume? Botaniker unterscheiden drei Frühlingsphasen: Der Vorfrühling beginnt meist schon Ende Februar oder Anfang März, wenn die ersten Schneeglöckchen erblühen und die Haselnuss, Schwarzerle und Salweide Pollen aus den in Kätzchen angeordneten, männlichen Blüten freisetzen. Florieren später die Forsythien, Ahorne und Kirschen, ist der Erstfrühling erreicht. Die Buschwindröschen gehen auf, und die Birken entfalten ihre Blätter. Der Vollfrühling ist erst mit der Blüte der Apfelbäume und des Flieders sowie dem Blattaustrieb der Stieleiche im April oder Mai erreicht. Das Wachstum und der Blühbeginn der Pflanzen sind an natürliche klimatische Schwankungen angepasst und damit nicht kalendarisch konstant. Daher ist der phänologische Frühlingsbeginn regional stark unterschiedlich, im Süden Deutschlands tritt er früher ein als im Norden, in der Ebene eher als in den Bergen. Selbst im Berliner Raum bedingen mikroklimatische Unterschiede einen um bis zu zwei Wochen versetzten Frühlingsbeginn von der Stadtmitte zu den Randbezirken.
Das Frühlingserwachen der Pflanzen wird durch ihre Gene bestimmt. So blüht beispielsweise die Haselnuss unter natürlichen Bedingungen stets früher als der Apfel. Der genaue Zeitpunkt wird jedoch durch Signale wie Tageslänge und Temperatur deutlich beeinflusst. So erblüht die erste Haselnuss oft schon im Februar, aber bei sehr harten Wintern durchaus erst im April. Die Ergebnisse einer Wissenschaftlergruppe um Federico Valverde zeigen, dass das Brechen der Knospenruhe ein komplexer, genregulierter Vorgang ist. So wirken verschiedene Farben des Lichts auf unterschiedliche Photorezeptoren und aktivieren die Herstellung spezifischer Genprodukte. Das komplexe Zusammenspiel der zum Teil gegensätzlich wirkenden Enzyme bestimmt, wann eine Knospe aufbricht.
Vorteilhafte Starthilfe für ein schnelles und erfolgreiches Frühlingserwachen bieten Energiedepots, etwa eine Zwiebel (beim Schneeglöckchen) oder eine Knolle (beim Krokus). Diese sind im Winter schützend in der Erde verborgen und halten für den Frühling Wasser und Nährstoffe bereit. Damit dieser wertvolle Speicher nicht von hungrigen Tieren verzehrt wird, enthalten beispielsweise die Zwiebeln der Narzissen auch giftige Inhaltsstoffe, so genannte Alkaloide. Bäume dagegen speichern Nährstoffe im Stamm, die im Frühjahr in Zuckerform mit dem Xylemsaft durch das Holz zu den Knospen transportiert werden und die Streckung von Blüten und Blättern antreiben. Wie energiereich diese Säfte sind, ist bei einem Baum sogar zu schmecken: Ahornsirup ist der eingedickte, konzentrierte Saft aus den Leitbündeln, der im Frühjahr aus dem angeritzten Stamm des Zucker-Ahorns in Kanada gewonnen wird.
Auch wenn der Frühling manchmal explosionsartig auszubrechen scheint, so verläuft das Wachstum der Pflanzen doch systematisch. Das ist vom ersten Frühjahrsblüher am Boden eines Laubwaldes über das Emporsteigen der Pflanzensäfte beim nachfolgenden Blattaustrieb der Sträucher und schließlich der Bäume erkennbar. Die Blühperiodik ist damit zugleich Ausdruck eines Wettrennens der Pflanzen um Licht. Denn nur solange die Bäume noch keine Blätter ausgebildet haben, trifft auf den Waldboden ausreichend Licht und ermöglicht auch dort das Gedeihen von Pflanzen. Winterlinge, Buschwindröschen und Anemonen sind deshalb auf eine frühzeitige Blüte angewiesen, um erfolgreich Samen ausbilden zu können.
Die ersten Frühjahrsblüher wie Haselnuss und Erle blühen zu einer Zeit, in der noch kaum Insekten unterwegs sind, um Blüten zu besuchen und diese dabei zu bestäuben. Diese speziellen Gehölzarten setzen daher auf den Wind, der den Pollen von der männlichen Blüte zu einer weiblichen Narbe transportiert. Damit der ungerichtete Transport erfolgreich endet, produzieren sie Pollen in Millionenzahl. Diese umherfliegenden mikroskopisch kleinen Pflanzenteilchen gelangen somit auch in menschliche Schleimhäute und können bei entsprechender Sensibilität den ersten Heuschnupfen auslösen.
Auch in der Hauptstadt lässt sich der Frühling in seiner vollen Vielfalt von Farben, Formen, Düften und Geräuschen erleben – am schönsten vielleicht im Botanischen Garten in Berlin-Dahlem. Im Vollfrühling begeistern die zahlreichen Wildtulpen-Arten aus Zentralasien. Das laute Gequake balzender Frösche umrahmt hier das wogende Meer aus weißen Buschwindröschen und violetten Frühlingsplatterbsen. In den prächtig blühenden Berghängen in der Griechenland- und Kaukasus-Region der Anlage summen die Bienen. Und wenn sich schließlich die Pfingstrosen aus der Erde schieben und blühende Magnolien den Japanischen Teepavillon schmücken, ist dies der Ort für die schönsten Frühlingsgefühle.
Die Autorin ist Diplom-Biologin und Pressesprecherin des Botanischen Gartens und Botanischen Museums Berlin-Dahlem der Freien Universität Berlin, Eingänge: Unter den Eichen 5-10, 12203 Berlin, und Königin-Luise-Platz, 14191 Berlin. öffnungszeiten im April: Garten von 9 bis 20 Uhr, Museum von 10 bis 18 Uhr. Eintritt: fünf Euro (erm. 2,50 Euro), nur Botanisches Museum zwei Euro (erm. ein Euro).
Weiteres im Internet:
www.botanischer-garten-berlin.de

Aus dem Tagesspiegel vom 22. April 2007, von Dagny Lüdemann:
20 Fragen an den Spargel
Er ist das schnellste Gemüse der Welt. In 24 Stunden wächst eine Stange zu ihrer vollen Größe. Das ist nicht die einzige überraschung, die Spargel zu bieten hat.
Weiß und schlank liegen die Spargelstangen auf dem Teller. So kennt sie jeder. Aber was ist das überhaupt für ein Strunk, den wir da essen?
Die Spargelstange ist eigentlich ein Spross der Asparagus-Pflanze. Würde man diesen Trieb in Ruhe wachsen lassen, anstatt ihn brutal von der Seite abzustechen, noch bevor er das Licht der Welt erblickt, würde daraus eine grüne, blühende Pflanze werden.
Und die würde von Bienen bestäubt werden, Samen bilden und sich vermehren?
Ja, im Spargelparadies wäre das so, denn Asparagus ist ein Liliengewächs – die weiblichen Pflanzen haben hübsche Blüten und tragen im Herbst rote Beeren mit den Samen drin. Es gibt auch Zierspargel für den Blumentopf. Aber auf dem Feld sind alle Spargelpflanzen Einzelkämpfer. Sie sind Hybriden für die Zucht, die sich nicht vermehren können. Acht Jahre lang stecken sie in der Erde und produzieren jeden Frühling die Sprosse, die nachher als Spargel auf den Teller kommen. Nach acht Jahren ist der Boden ausgelaugt und mit Pilzsporen durchsetzt, die der Pflanze schaden. Dann muss der Bauer für mindestens zehn Jahre etwas Anderes anbauen. Zum Beispiel Kartoffeln.
Warum wächst Spargel in so ordentlich aufgeschütteten Erdwällen?
Damit er den Bauern weniger Arbeit macht. Denn wie sollte man die empfindlichen Sproße unter der Erde finden, ohne sie bei der Ernte zu beschädigen? Die Spargelwälle erleichtern außerdem das Düngen und Spritzen der Pflanzen und die Arbeit mit Maschinen, wie zum Beispiel mit dem „Asperge Spin“, einem High-Tech-Gerät, das die Abdeckfolie während des Spargelstechens hoch hält.
Und wieso sind die Spargelwälle manchmal mit schwarzer und manchmal mit weißer Folie zugedeckt?
Eigentlich ist es nur eine einzige Folie mit einer schwarzen und einer weißen Seite. Eine Wendejacke für den Spargel. Bei Kälte zeigt die schwarze Seite nach außen, denn das speichert die Wärme und schützt vor Frost. Im Sommer trägt der Spargel die weiße Oberfläche nach außen und ist so vor zu starker Austrocknung geschützt. Bei 30 Grad Celsius unter der Thermofolie sind die Wachstumsbedingungen optimal, und man kann dem Spross beim Wachsen zusehen: Knapp einen Zentimeter schafft er dann pro Stunde – und nach 24 Stunden hat man eine neue, frische Stange Spargel. Die Spargelstecher ernten jeden Tag die gleichen Reihen ab – so schnell schießt das Gemüse in der Erde empor.
Gibt es auch Biospargel?
Spargel wird in Deutschland meistens ökologisch angebaut, das heißt, es werden nur Naturdünger verwendet. Allerdings wird nach der Erntesaison ein Pflanzenschutzmittel gespritzt, um die Spargelfliege abzuhalten, die ihre Eier in der Spargelspitze ablegen will.
Spargel gibt es immer nur von April bis Juni. Warum nicht das ganze Jahr?
Eigentlich könnte man bis zum Herbst unentwegt Spargel ernten, denn die Pflanze kommt durch das ständige Abstechen ihrer Sprosse nicht zum Ziel. Sie will einen Spross an die Oberfläche bekommen, Sonne tanken, grüne Blätter bilden und schließlich blühen. Irgendwann reicht es aber auch einer Spargelpflanze; sie würde, zermürbt von diesem Sisyphuskampf, eingehen. Deshalb lassen die Bauern die Pflanzen traditionell ab dem 24. Juni, dem Johannistag, in Ruhe – ein Festtag für die Spargelpflanze. Sie darf austreiben, Energie tanken und sich ausleben bis sie welk wird. Im nächsten Frühling beginnt der Kampf von Neuem.
Und was machen Spargelliebhaber in der Zwischenzeit?
Zum Beispiel Tiefkühlspargel essen. Einfach jetzt in der Saison Spargel kaufen, schälen und einfrieren und im Winter direkt aus dem Gefrierfach ins kochende Wasser geben. Etwas Salz und eine Prise Zucker dazu, kurz aufkochen lassen und zugedeckt von der Herdplatte nehmen und im Sud etwa zehn Minuten ziehen lassen – fertig ist der Weihnachtsspargel.
Schmeckt Tiefkühlspargel überhaupt?
Spitzenköche bezweifeln, dass der eingefrorene Spargel besser schmeckt als der aus der Dose. Dosenspargel ist in vielen Ländern aber durchaus beliebt – vor allem in Spanien, wo grüner Spargel kalt als Tapa gegessen wird. In Südamerika isst man den Dosenspargel zum Salat – er gilt dort als besonders teures, elegantes Gemüse. Weißen Spargel aus Deutschland kennt man dort fast überhaupt nicht.
Weiß, grün, oder violett – was ist der Unterschied zwischen diesen Spargelsorten?
Die Farbe hat in erster Linie etwas mit der Art des Anbaus zu tun. Da der typisch deutsche Spargel geerntet wird, noch bevor er Sonne abbekommt, bleibt er weiß. Das Chlorophyll, also das Blattgrün, bildet er erst, wenn er mit Licht in Kontakt kommt. Geschossener Spargel, dessen Köpfchen aus der Erde guckt, wird lila – das heißt, die Photosynthese beginnt. Würde man ihn nicht stechen, würde er hellgrün werden. Doch auch die Zuchtpflanzen unterscheiden sich. In Spanien, Italien und den USA, wo man hauptsächlich dünnen, grünen Spargel isst, werden andere Sorten gepflanzt als im brandenburgischen Beelitz, wo der meiste Berliner Spargel herkommt.
Wo bekommt man denn rund um Berlin den frischesten Spargel?
Wer absolut sicher sein will, kann den Spargel eigenhändig stechen. In Beelitz bieten mehrere Bauernhöfe diesen Service an. Dort kann man auch Spargel essen gehen oder direkt vom Hof kaufen. Im Supermarkt oder am Marktstand hilft der Frischetest: Die Enden dürfen nicht ausgetrocknet sein und die Spargelstangen sollten quietschen, wenn man sie gegeneinander reibt.
Ist dünner Spargel besser als dicker?
Das ist reine Geschmacksache. Dicker Spargel lässt sich leichter schälen, kann aber am unteren Ende holziger sein als dünner. Aber wenn man ein gutes Stück abschneidet, ist das auch kein Problem.
Wie lang sollte eine Spargelstange sein?
Für die Spargelstecher gilt: mindestens 22 Zentimeter – sonst kommt er nicht in die Handelsklasse I. Außerdem darf er nicht krumm gewachsen sein.
Und wie viel schafft so ein Spargelstecher durchschnittlich pro Tag?
Sechs bis acht Kilogramm ernten die Arbeiter pro Stunde – je nachdem, wie schnell der Spargel nachwächst. Für einen Stundenlohn von etwa vier Euro stehen sie schon um sechs Uhr morgens auf dem Feld. Geübte Spargelstecher bringen es sogar auf zehn Kilogramm in der Stunde – bei solchen Spitzenleistungen gibt es eine Provision obendrauf. Jede Kiste hat einen Strichcode, der später auf dem Hof eingescannt wird. So kommt raus, wer wie viel geschafft hat.
Und was kostet der Spargel in diesem Jahr?
Das Kilo kostet zwischen sechs und acht Euro. Da die Witterung in diesem Jahr optimal ist und die Ernte erstmals schon am 31. März beginnen konnte, rechnen die Bauern aber mit fallenden Preisen.
Ist es unschicklich, Spargel mit den Fingern zu essen?
Absolut nicht, denn traditionell schneidet man Spargel nicht mit dem Messer durch – eine Sitte, die noch aus Zeiten stammt, als es noch keine rostfreien Messer gab. Den Spargel einfach am unteren Ende anfassen und von oben – also hängend – mit dem Köpfchen zuerst in den Mund stecken. Umgekehrtes Schlürfen des Spargels ist eher unangebracht – dann lieber Messer und Gabel benutzen, das ist auf keinen Fall falsch.
Kann man Spargel auch roh essen?
Ja. Das schmeckt ein bisschen wie eine Mischung aus Karotte und Kohlrabi. Manche essen rohen Spargel gerne im Salat.
Braucht man einen Spargelkochtopf – oder geht es auch ohne?
Ein ganz normaler Topf tut’s auch. Wichtig ist, dass man den Spargel gründlich schält – dann kann nichts schief gehen.
Schmeckt Beelitzer Spargel anders als Schwetzinger oder Schrobenhausener?
Feinschmecker und Sterneköche können einen minimalen Unterschied herausschmecken, wenn sie Spargel verschiedener Herkunft gleichzeitig auf dem Teller haben. Und er muss natürlich gleich lange gekocht worden sein. Je lehmiger der Boden, desto würziger der Geschmack. Beelitzer Spargel ist lieblich und mild, weil er in besonders sandiger Erde gedeiht. Die Brandenburger lieben ihren Spargel weich gekocht – Gourmetköche bevorzugen ihn bissfest.
Ist denn Spargel wirklich so gesund, wie es immer heißt?
Auf jeden Fall wirkt er entwässernd und regt die Nierentätigkeit an. Das kann zur Entschlackung des Körpers beitragen. Spargel besteht zu mehr als 90 Prozent aus Wasser und hat entsprechend wenige Kalorien. Wie gesund das Spargelessen ausfällt, hängt natürlich auch von den Beilagen ab, wie Schnitzel, Schinken und Sauce hollandaise – und davon, wie viele Gläser Weißwein man dazu trinkt.
Gibt es eigentlich auch eine Spargelkönigin? Ist sie das weibliche Pendant zum Spargeltarzan?
Klar, wie jedes gute Gemüse hat der Spargel seine Königin – und zwar jedes Jahr eine neue. Sie wird auch beim Beelitzer Spargelfest vom 1. bis 3. Juni dabei sein. Mit dem Spargeltarzan – einem besonders schlaksigen, dünnen Mann – hat sie aber nichts zu tun. Als weibliches Pendant zum Spargeltarzan gilt nämlich die Spinatwachtel.
In Beelitz kann man Spargel essen, kaufen und selber stechen. Unter www.beelitz.de gibt es eine Liste mit allen Beelitzer Spargelhöfen.
Telefonische Infos beim Spargelmuseum unter Tel.: 033204/42112.

Aus dem Tagesspiegel vom 25. April 2007, von Alexander S. Kekulé:
Maja summt nicht mehr
Ein mysteriöses Bienensterben bedroht die Landwirtschaft
Manche Plagegeister gewinnt man gerade dann lieb, wenn sie verschwinden. Im Frühling steht eigentlich die Warnung vor gefährlichen Insektenstichen und Allergien auf dem Ratgeberkalender der ärzte und Apotheken. Oberster Picknickschreck ist die Biene, das gefährlichste Tier in Mitteleuropa und Nordamerika – der allergische Schock nach Bienenstichen ist hier die häufigste durch Tiere verursachte Todesart. Doch in diesem Jahr ist es der Plagegeist selbst, der zur Sorge Anlass gibt: Ein mysteriöses Massensterben rafft in den USA und Europa die Honigbienen dahin.
Seit vergangenem Oktober verschwanden in vielen US-Bundesstaaten 30 bis 60 Prozent, an der Ostküste und in Texas sogar über 70 Prozent der Bienenvölker. In abgeschwächter Form, mit Verlusten um 25 Prozent, wird das Phänomen auch in Deutschland, Frankreich, Polen, Spanien und der Schweiz beobachtet.
Dass 10 bis 20 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überleben, gilt als normal. Doch diesmal sind Imker und Entomologen durch einen merkwürdigen Umstand alarmiert: Die Bienen liegen nicht etwa tot im Stock und dessen Umgebung – sondern sie verschwinden einfach spurlos. Einige Wochen vor dem unheimlichen Exodus sind die Tiere oft unruhig und fliegen desorientiert umher. Dann kommen eines Tages die Arbeitsbienen nicht mehr nachHause, die zurückgebliebenen Jungtiere und die Königin müssen verhungern.
Die Ursache der „Colony Collapse Disorder“ (CCD) genannten Krankheit ist unbekannt. Fest steht nur, dass betroffene Kolonien von diversen Infektionserregern befallen sind. Insbesondere die bei Imkern gefürchtete Milbe Varroa destructor macht sich im verendenden Bienenstock breit. Der Parasit nistet sich in den Brutkammern ein und ernährt sich vom Insektenblut (Hämolymphe) der Larven. Auch kann die Milbe Viren übertragen, die den geschwächten Bienen weiter zusetzen. Ursache für den Milben- und Virenbefall ist offenbar eine Schwächung des Immunsystems – doch wodurch wird das „Aids der Bienen“ ausgelöst?
Wie immer, wenn eine neue Krankheit die Gemüter beunruhigt, sprießen Spekulationen über deren Ursache wie Unkraut. Allen voran werden die üblichen Verdächtigen beschuldigt: Klimawandel, Umweltverschmutzung, Gentechnik, Insektizide und – seit neuestem – Handystrahlung.
Bewiesen ist allerdings nichts davon. Die Erderwärmung kann es diesmal nicht sein, weil klimatisch so unterschiedliche Zonen wie Kalifornien und die Schweiz betroffen sind. Genmanipulierte Pflanzen wie der in den USA verbreitete Bt-Mais müssten zu chronischen Vergiftungserscheinungen führen, die bislang nicht festgestellt wurden. Unter den Insektenschutzmitteln werden Imidacloprid (Gaucho) und Fipronil (Regent) verdächtigt. Doch CCD kommt auch in Regionen vor, wo es diese Mittel gar nicht gibt. Zudem sterben die Bienen auch in Frankreich, obwohl die beiden Insektizide dort seit 2004 nicht mehr verkauft werden.
Auch die Handystrahlung dürfte wie zuvor bei Alzheimer und Krebs in Sachen Bienentod wieder mit einem Freispruch davonkommen. Nach Aussage einer Arbeitsgruppe der Universität Koblenz-Landau scheinen elektromagnetische Wellen zwar das Ortungssystem von Honigbienen zu beeinflussen. Denkbar wäre, dass die Pulsfrequenz der GSM-Handys von 217 Hz die im selben Frequenzbereich liegenden Tanzbewegungen der Bienen stört. Doch gibt es Mobilfunkmasten schon seit den 80er Jahren, und das Bienensterben ist in ihrer Nähe genauso häufig wie in abgelegenen Gegenden ohne Elektrosmog.
Wie die Gefahr für die Honigbiene abgewendet werden kann, ist deshalb noch vollkommen unklar. Die Rettungsaktion ist auch für den Menschen überlebenswichtig: Etwa ein Drittel seiner gesamten Nahrung hängt von den fleißigen Insekten ab. Sie bestäuben rund 90 Prozent des Obstes, einen Großteil des Gemüses und auch zahlreiche Futterpflanzen für Nutztiere. Bienen mögen lästige Plagegeister sein – aber ohne sie fließen weder Milch noch Honig.
Der Autor ist Institutsdirektor und Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle. Foto: J. Peyer

Aus dem Tagesspiegel vom 10. Mai 2007, von Sandra Dassler:
Kreuzungen in der Flugbahn
Imker gegen Maisbauer: Kampf um zwei Existenzen – und um die Gentechnik
Eigentlich hat Fabian Lahres keine Zeit, die Rapsblüte ist gerade vorbei, die Bienen schwärmen, der erste Honig des Jahres muss geschleudert werden. Doch in den vergangenen zwei Tagen ist der Bioimker aus dem brandenburgischen Müncheberg zu nichts gekommen. Er hat mit Anwälten telefoniert, Fernsehteams empfangen, Journalistenfragen beantwortet.
Dabei ist Lahres, schlacksig, 31 Jahre alt, ein zurückhaltender Typ. Einer, der nicht weiß, wohin mit seinen Händen, wenn er nicht gerade arbeitet. Einer, der die Natur liebt und der in Ruhe seinen Honig produzieren will. Deshalb hat er vor einigen Monaten gegen den Anbau von genverändertem Mais in der Nähe seiner Bienenstöcke geklagt. Stellvertretend für viele Bioimker, die befürchten, dass sie ihren Honig nicht mehr verkaufen, wenn darin Pollen von Genmais nachgewiesen werden. Zahlreiche Umweltorganisationen unterstützen Lahres. Sie laufen seit zwei Jahren gegen den genveränderten Mais Sturm; seit dieser in Deutschland angebaut wird. Die Genmaisgegner argumentieren, dass man die Risiken der Gentechnik nicht abschätzen kann. Die meisten Wissenschaftler dagegen halten Genmais für ungefährlich für die Umwelt. Bisher sind in Deutschland alle politischen und juristischen Versuche gescheitert, seinen Anbau zu stoppen.
Fabian Lahres ist deshalb zum Kriminellen geworden. Er sah keine Möglichkeit mehr, auf sein Problem aufmerksam zu machen, außer einer. Im Juli vergangenen Jahres hat er gemeinsam mit anderen ein Genmaisfeld zerstört. Vor zwei Wochen wurde er vom Amtsgericht Zehdenick zu einer Geldstrafe verurteilt.
Und nun dieser Dienstag. Seit dem bisherige Gewissheiten sich auflösen und alles zu rotieren scheint. Am Abend um zehn erfährt Lahres, dass das Bundesamt für Verbraucherschutz plötzlich der Ansicht ist, Genmais könne doch gefährlich für die Umwelt sein. Die Behörde hat eine Weisung erlassen, die zwar den Anbau von Genmais nicht direkt verbietet. Indirekt aber schon. Eine Stunde später erreicht Lahres ein Anruf. Ein Freund erzählt ihm, dass ein Bioimker aus Bayern, der ebenfalls gegen den Anbau von Genmais geklagt hatte, vor dem Verwaltungsgericht Augsburg recht bekam.
Das Urteil ist eine Sensation. Nie, sagt Lahres, hätte er für möglich gehalten, „dass ein Gericht so entscheidet“. Lahres will sein Glück teilen, er ruft seine Freundin an und gleich am Mittwochmorgen seine Anwälte. Die allerdings holen ihn unsanft auf den Boden zurück. Sie haben vor zehn Minuten erfahren, dass das Verwaltungsgericht in Frankfurt an der Oder die Klage Lahres’ abgelehnt hatte. Anders als die Kollegen in Augsburg sehen die brandenburgischen Richter keinen Grund, den Anbau von Genmais in der Nähe von Lahres’ Bienenstöcken zu verbieten.
Fabian Lahres muss also weiter um seine berufliche Existenz fürchten. Er ist gern Bioimker, obwohl er Bienen früher nicht mochte. Als Kind trat er versehentlich in ein Erdwespennest, die Viecher haben ihn übel zugerichtet. Jahrelang war er sofort in Panik, wenn er es irgendwo summen hörte. Doch während seiner Landwirtschaftslehre traf Fabian Lahres einen Imker und war fasziniert. Der natürliche Kreislauf. Die Bienen bestäuben die Blüten. Aus denen entsteht Obst, aus Nektar entsteht Honig. „In der ökonomie“, sagt Lahres, „würde man das eine Win-Win-Situation nennen.“
Nach der sieht es für ihn zurzeit allerdings nicht aus. Vor vier Jahren hat er seine eigene kleine Imkerei gegründet, in der Märkischen Schweiz. Er hat sich auf Biohonig spezialisiert. Rund 50 000 Euro hat er investiert. Er hat Holz gekauft, um Kästen für die Bienenvölker zu bauen. Hat Maschinen angeschafft und sich mühsam einen Stamm von Abnehmern aufgebaut. Er arbeitete 16 Stunden am Tag, machte vier Jahre lang keinen Urlaub. Inzwischen hat er 140 Völker, ein eigenes Logo und einen so guten Namen, so dass er auch renommierte Bioläden in Berlin beliefert. Er verkauft mehr als zehn Tonnen Honig im Jahr, rund 25 000 Gläser. Reich wird er nicht, sagt er, aber es reicht.
Sein Problem begann mit einer harmlosen Frage. Wo er seine Bienen halte?, wollte ein Händler wissen. „Im Landkreis Märkisch-Oderland? Dort, wo es jetzt so viel Genmais gibt?“ Die Frage wurde immer häufiger gestellt. Irgendwann musste ein Imkerkollege bei einem Großabnehmer unterschreiben, dass er seinen Honig zurücknimmt, wenn darin GVO-Pollen entdeckt wird.
Fabian Lahres war schockiert. Und begann, sich schlauzumachen. GVO. Steht für „Gentechnisch veränderte Organismen“. In Deutschland und der EU werden im Gegensatz zu Nord- und Südamerika nur wenig gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Mon 810. Die genmanipulierte Maissorte des US-Agrarkonzerns Monsanto gehört dazu. 2005 wurde sie erstmals zu kommerziellen Zwecken in Deutschland zugelassen.
Kritiker bemängeln, die Auswirkungen auf Umwelt, Tier und Mensch seien bisher nur unzureichend untersucht. Sie bezweifeln, dass die sogenannte Koexistenz, das Nebeneinander von landwirtschaftlichen Produktionsverfahren mit und ohne Gentechnik auf Dauer möglich ist. Im deutschen Gentechnik-Gesetz sind Regeln für die Koexistenz festgeschrieben. So müssen jene, die Genmais anbauen, bestimmte Abstände zu den Feldern mit herkömmlichem Mais einhalten. So weit die Theorie.
Aber, fragt sich Lahres, wie sollen seine Bienen unterscheiden, was ein Feld mit herkömmlichem Mais ist und was eines mit Genmais? Sie fliegen in einem Radius von mehreren Kilometern, und inzwischen wird an sehr vielen Orten in Brandenburg Genmais angebaut. Um zu verhindern, dass seine Bienen in Genmaisfelder fliegen, müsste sich Lahres ständig erkundigen, wo die entsprechenden Anbauflächen sind, und seine Völker dann an andere Stellen transportieren. Das alles kostet viel Zeit und Geld. Sein Geld.
„Aber ich muss das tun. Wenn man in meinem Honig Genmaispollen nachweist, bin ich wirtschaftlich tot“, sagt er. Die Käufer zahlen für seinen Biohonig durchschnittlich viermal mehr als für den Billighonig aus dem Discounter. Dafür wollen sie „saubere Ware“.
Vertreter der Firma Monsanto argumentieren, Lahres müsse nicht angeben, dass Genmaispollen in seinem Honig sein könnten. Erst ab einem Gehalt von 0,9 Prozent. Dann könnte Lahres Schadenersatzansprüche stellen. Der Anteil des Maispollens im Honig beträgt aber nur 0,1 Prozent. Also ist Lahres der Dumme. Der Nachweis geringster Mengen Genmaispollen reicht, um Abnehmer zu verlieren. Doch niemand ersetzt ihm den Schaden.
So schloss sich Lahres im vergangenen Jahr der Initiative „Gendreck weg“ an, die bundesweit zu „Feldbefreiungen“, sprich: Zerstörungen aufruft. Rannte mit auf das Feld des Bauern Eickmann, verfolgt von Polizisten. Trat die saftigen Maisstängel zu Boden, bis er festgenommen wurde.
„Es war eine Verzweiflungstat“, hat er vor zwei Wochen im Gericht gesagt. Während der Verhandlungspause unterhielt er sich dann lange mit dem Mann, dessen Feld er zertrampelt hatte. Er fragte ihn, warum er Genmais anbaut. Da hat ihm Jörg Eickmann vom Maiszünsler erzählt, einem gefährlichen Schädling, der in den 90er Jahren nach Brandenburg eingewandert ist. „40 Prozent meiner Körnermaisernte kann ich jedes Jahr vergessen“, sagte Eickmann. Er ist studierter Landwirt und durchaus umweltbewusst. In seiner Agrargenossenschaft wird pfluglos gearbeitet, um den Wasserhaushalt nicht noch mehr zu belasten. Das Pflügen ist aber eine Möglichkeit den Maiszünsler zu bekämpfen. Sonst bleibt nur das Spritzen mit chemischen Giften. Oder der Anbau von Genmais – ein Ausdruck, den Eickmann vermeidet. „Es heißt Bt-Mais“, sagt er. Bt steht für Bacillus thuringiensis. Ein Gen davon ist in Mon 810 eingeschleust worden, der veränderte Mais ist so gegen den Maiszünsler resistent.
„Bei Ihnen geht es nur um die Minderung von Verlusten“, hat Lahres hinterher zu Eickmann gesagt. „Bei mir steht alles auf dem Spiel.“ Selbst der Richter, der ihn verurteilte, hat deutlich gemacht, dass er die existenzielle Not des Bioimkers erkennt. Und auch die Stiftung Warentest hält es für wahrscheinlich, dass die Leute keinen Honig mehr kaufen, der vielleicht GVO-Pollen enthält.
Es ist nicht so, dass Genmais-Anbauer Jörg Eickmann kein Verständnis für die Nöte von Lahres hat. Bloß sind die seiner Ansicht nach nicht vom Bt-Mais verursacht, sondern von der Hysterie, die geschürt wird. Niemand würde gesundheitlichen Schaden davontragen, wenn etwas Genmaispollen im Honig wäre, sagt Eickmann. Keiner der Genmaisgegner habe jemals einen eindeutigen Beweis der Schädlichkeit von Mon 810 vorgelegt. Er höre immer nur diffuse Geschichten.
Beispielsweise vom geheimnisvollen Bienensterben in den USA. Niemand bezweifelt es. Bislang aber gebe es keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass ursächlich mit Genmais zusammenhänge.
Fabian Lahres hat dazu seine Meinung. Er zitiert Albert Einstein: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“
Die Zahl der Honigbienen in Deutschland hat sich in den letzten 15 Jahren halbiert, in Brandenburg ist sie seit 1989 auf ein Zehntel geschrumpft. Das ökologische Gleichgewicht der Welt ist aus den Fugen, sagt Fabian Lahres, und irgendwo müsse man doch anfangen, etwas dagegen zu tun. Für sich selbst sieht er nur einen Ausweg: Er wird den Honig der Bienenvölker, die neben dem Genmaisfeld stehen, nicht vermarkten – auch wenn das finanzielle Verluste bedeutet. Nur so kann er seinen Kunden auch weiterhin sauberen Honig anbieten. Aber eigentlich, sagt er, sei das verdammt ungerecht.

Aus der Berliner Morgenpost vom 7. März 2007:
Die asiatische Großwespe mit lateinischem Namen Vespa velutina. Foto: AFP
Frankreichs Imker fürchten um Bestände - Einwanderer ohne Feinde
Paris - Die Anpassungsfähigkeit der Natur bringt den Menschen immer wieder zum Staunen - oder zur Verzweiflung, wie in Südfrankreich, wo Bienen fressende, asiatische Hornissen sesshaft geworden sind. Die Vespa velutina, so der lateinische Name der Großwespe, wurde im November 2005 erstmals im Südwesten gesichtet, seither bevölkert sie ganze Landstriche. "Wir haben in diesem Winter so viele Nester gezählt, diese Art hat sich nicht nur gut eingelebt, sie vermehrt sich auch fürchterlich", sagt Insektenkundler Jean Haxaire.
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Nach Frankreich kamen die Riesenwespen angeblich Ende 2004 mit einer Ladung chinesischer Töpferwaren. Drei Jahre später gilt es als völlig ausgeschlossen, diese Spezies wieder aus dem Lande zu bekommen. Die Hornissen hätten sich bereits in Europas größtem Waldgebiet, den Landes im Südwesten Frankreichs, breit gemacht, erläutert Haxaire. Dort bauen sie ihre kugelförmigen Nester in den höchsten Wipfeln der Kiefern, wo sie niemand zu Gesicht bekommt. Das südfranzösische Klima ähnele dem der Hornissenheimat in China, Bhutan und Nordindien, wo es durchaus kalte Winter gibt, sagt Claire Villemant vom französischen Museum für Naturgeschichte. Natürliche Feinde gibt es für die asiatische Hornisse nicht. Sie ist mit 20 bis 25 Millimetern Länge etwas kleiner als ihre westeuropäische Kusine, die Vespa crabo. Die Hornissen-Königinnen bringen es auf nur 30 Millimeter Länge. Trotzdem ist sie eindrucksvoll, vor allem wegen des lauten Geräusches, das sie beim Fliegen macht. Gefährlich für Menschen seien diese Hornissen keineswegs, sagt Villemant. "Die Hornisse geht dem Menschen aus dem Weg, wenn Sie im Freien picknicken, werden Sie nie Hornissen sehen, die um sie herumfliegen." Die Legende, wonach drei Hornissenstiche reichen, um einen Menschen zu töten, sei Unsinn, sagt die Expertin. Die Gefahr allergischer Reaktionen auf einen Hornissenstich sei exakt die gleiche wie bei Bienen oder Wespen.
Während die westeuropäische Hornisse nur gelegentlich mal eine Biene nascht und sich vorwiegend von Raupen und anderen Schädlingen ernährt, fällt die asiatische Hornisse systematisch über Bienenstöcke her. "Sie schieben richtig Wache vor den Eingängen", berichtet Haxaire. In Asien komme es vor, dass die Hornissen in den Bienenstock eindringen und die Brut auffressen. Dies würde für französische Imker den Ruin bedeuten, da sie ohnehin mit der Dezimierung ihres Bestandes durch den Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft kämpfen müssen. AFP

Aus dem Tagesspiegel vom 15. März 2007:
Milben oder Klimawandel?
Nach einem großen Bienensterben in den USA wächst auch hierzulande die Angst vor dem Verlust der Tiere.
Von Claus-Dieter Steyer
Hohen Neuendorf - Viele Imker Brandenburgs schauen in diesen Tagen mit einem bangen Gefühl nach dem Zustand ihrer Bienenvölker. Sie sind durch Meldungen aus den USA verunsichert, wonach dort die Mehrzahl der Bienen spurlos verschwunden ist. An der amerikanischen Westküste kollabierten Berichten zufolge fast 60 Prozent der Bienenvölker, an der Ostküste und in Texas sind es mehr als 70 Prozent. Doch das Brandenburger Landesinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf und der Verband der Brandenburgischen Imker kennen solche Horrorszenarien bislang nicht. „Es gibt zwar vereinzelt Totalverluste oder Einbußen von 15 bis 30 Prozent bei den Bienenvölkern“, sagt Institutschef Kaspar Bienefeld. „Aber im Schnitt dürften 90 bis 95 Prozent aller Völker den Winter überlebt haben.“
In den USA wird noch über die genaue Ursache der Katastrophe gerätselt. Bislang zeichnen sich vor allem die Varroamilbe und ein verändertes Klima als Faktoren des Bienensterbens ab. „Das milder gewordene Klima bringt die Bienen auf Trab“, sagt Gerhard Strauch vom Brandenburgischen Imkerverband. „Sie fangen viel früher mit ihrer Brut an und kennen praktisch keine Pause, um sich nicht zuletzt gegen die Milbe zu wehren. Irgendwann werden sie dadurch aber selbst geschwächt und sterben.“
Doch die Bienen sind für die Menschheit und ihre Kulturlandschaft unverzichtbar. Zwar können Pflanzen auch durch Hummeln oder andere Insekten bestäubt werden, aber längst nicht so effektiv und massenhaft. „Der Ertrag aus einem Rapsfeld steigt bei der Bestäubung durch Bienen um 30 Prozent“, erklärt der Imker Gerhard Strauch.
Dabei sei seit der Wende die Zahl der Bienenvölker in Brandenburg und Berlin um rund 90 Prozent zurückgegangen. Die DDR sei auf hohe Erträge angewiesen gewesen, so dass sie die Imkerei subventioniert und den Honig abgekauft habe. Heute erhalten die wenigen Berufs- und Hobbyimker keine Förderung mehr. Der Imkerverband hofft deshalb nicht zuletzt auf die Wirkung der schon 1949 von Albert Einstein ausgesprochenen Warnung: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“
Um Nachwuchs–Imker will Brandenburg jetzt verstärkt werben. Nicht mehr wie früher die Honigproduktion soll im Vordergrund stehen, sondern der Beitrag für die Erhaltung der Natur – und damit der Menschheit.

Aus der Süddeutsche Zeitung Nr.60, Dienstag, 13. März 2007, Seite 18:
Das spurlose Sterben
Das Sterben der Bienen könnte auch für Menschen verheerend sein: Viele Nahrungsmittel sind vom Bestäuben abhängig. Foto: Arco Images SZ 13.4.2007
In den USA ist die Mehrzahl aller Bienen verschwunden - weil eine
klare Ursache fehlt, spekulieren Forscher über das Ende der
Insektenart
Sie sind weg. Haben den Stock allein gelassen, die junge Brut
nicht mehr versorgt. Sind nie wieder aufgetaucht, die älteren,
erwachsenen Bienen. Haben auch keine Toten zurückgelassen.
Millionen und Abermillionen Bienen sind in Nordamerika einfach
verschwunden im Lauf der vergangenen Monate. Und immer mehr
amerikanische Imker, die in diesen ersten warmen Wochen nach dem
Winter zum erstenmal ihre Bienenstöcke wieder öffnen, berichten
dasselbe. "So etwas habe ich noch niemals gesehen", sagte der
kalifornische Bienenzüchter David Bradshaw schockiert einer
amerikanischen Zeitung. "Ein Stock nach dem anderen war einfach
leer. Es sind keine Bienen mehr daheim."
An der amerikanischen Westküste sind fast 60 Prozent der
Bienenvölker kollabiert, an der Ostküste und in Texas sind es
mehr als 70 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Bundesstaaten ist
betroffen und Teile Kanadas. Dasselbe passiert auch in Spanien
und in Polen. Aus der Schweiz gibt es die ersten Berichte und
auch aus Deutschland - nur hat das Bienensterben bisher
nirgendwo solche Ausmaße wie in den USA.
Es ist ein seltsames, geradezu unheimliches Phänomen, das die
Bienenvölker heimsucht. Die Wissenschaft hat ihm jenen Namen
gegeben, den sie reserviert hat für etwas, das sie noch nicht,
vielleicht nie erklären kann: disorder, Störung. Man spricht vom
"Colony Collapse Disorder", von einer Störung namens
Bienenvolk-Kollaps, kurz CCD. über die Symptome weiß man
ziemlich viel: In betroffenen Kolonien fehlen alle erwachsene
Bienen, und es liegen auch, wie normalerweise üblich, keine
toten Bienen in der Nähe. Die Bienen fliegen fort und sterben
irgendwo draußen. Vorräte an Honig sind da, und die nicht
ausgewachsenen Bienen, die nun verhungern. Eine Kolonie, die
mitten im Zusammenbruch steckt, mag von außen ganz normal
wirken. Aber innen gibt es viel zu wenige, viel zu junge
Arbeiterinnen. Und schließlich kommt etwas Eigenartiges hinzu:
Normalerweise werden die Stöcke eines Volkes, das an Krankheiten
stirbt oder in einem kalten Winter verhungert, sofort von
anderen Bienen oder Stockräubern ausgeplündert oder von Plagen
wie Wachsmotten übernommen. Diesmal aber dauert es mindestens
zwei Wochen bis die Plünderer kommen.
Was die Ursachen für das Verschwinden sind, darüber weiß man
fast nichts. Aber man weiß, dass es eine Katastrophe wäre, wenn
die Honigbienen für immer verschwänden. Eine Katastrophe auch
für den Menschen. "Früher", sagt May Berenbaum, Leiterin des
Instituts für Entomologie an der Universität Illinois, "waren es
die Kanarienvögel in den Minen. Wenn sie starben, dann wussten
die Bergarbeiter, dass etwas passieren würde. Manche von uns
glauben, dass die Bienen heute diese Funktion haben." Die
Aufmerksamkeit, die die Medien ihr und anderen Bienenforschern
in den vergangenen Wochen entgegengebracht haben, verunsichert
May Berenbaum. Vorsichtig sagt sie: "Das Bienensterben könnte
eine Warnung an uns sein, dass etwas sehr aus dem Gleichgewicht
geraten ist."
Milben sind es diesmal nicht
Es geht nicht nur um die Bedrohung einer Tierart, auch nicht um
das Bienensummen im Frühling oder den Honig, der uns fehlen wird
- zumindest ökonomisch gesehen ist er ein angenehmes, aber eher
unwichtiges Nebenprodukt. Die Menschen brauchen die Bienen
dringend, denn etwa ein Drittel der menschlichen Nahrung ist
direkt oder indirekt von ihnen abhängig: Äpfel, Birnen,
Pflaumen, ein Großteil des Obstes werden zwischen 80 und 90
Prozent von Zuchtbienen bestäubt, ebenso Mandelbäume, Melonen,
Paprika, Kürbisse, Himbeeren und etwa 90 andere Obst- und
Gemüsearten - aber auch Viehfutter wie Klee oder das in den USA
verbreitete Alfalfa. "Wenn Sie einen Hamburger essen", sagt
Berenbaum, "dann verdanken Sie das indirekt den Bienen." Manche
Farmer versuchen, die Bäume mit Hilfe riesiger Ventilatoren zu
bestäuben, oder sie experimentieren mit Hummeln und anderen
Insekten. Aber wirkliche Alternativen zur Bestäubung durch
Bienen gibt es nicht, Wildvölker existieren kaum noch, schon gar
nicht in den riesigen Monokulturen, und andere Insekten würden
diese Mengen nicht schaffen. Den durch Bienenpollination
erwirtschafteten Wert schätzen Forscher allein für die USA auf
bis zu 18 Milliarden Dollar. In Europa sind es immerhin bis zu
fünf Milliarden Euro. Durch ihre Leistung bei der Bestäubung
gelten Bienen in Europa nach Rindern und Schweinen als das
drittwichtigste Haustier - noch vor dem Geflügel.
"Eigentlich ist es eher merkwürdig, dass die Bienen es so lange
ausgehalten haben", sagt der Bienenforscher und Soziobiologe
Jürgen Tautz vom Biozentrum der Universität Würzburg. Ein
Bienenvolk ist ein extrem komplexer Superorganismus, der sich
über Jahrmillionen an die widrigsten Umstände angepasst hat.
"Doch in den letzten zehn Jahren sind sie schwach geworden",
sagt Tautz. "Vor allem der Stress ist zuviel." Die größte
Bienenplage war bisher die Varroa-Milbe, ein Parasit, der die
Tiere aussaugt. Noch vor zehn Jahren brauchten Forscher in ihren
Versuchen zehnmal so viele Milben wie heute um einen Stock zu
töten. Aber Varroa ist es diesmal nicht.
Vielleicht gibt es tatsächlich nur eine einzige Ursache für den
Völkerkollaps, die noch gefunden werden muss. Vielleicht aber,
und das vermuten auch andere Bienenforscher, sind es viele
Ursachen, die die Bienen langsam überwältigen. Die
Flurbereinigungen, die keine Feldraine mehr übrig gelassen
haben, die Monokulturen und eine allzu perfekte Forstwirtschaft,
die jeden hohlen Baumstumpf aus dem Wald holt, in dem die wilden
Schwärme sich einst ansiedelten. Die Städte und Vorstädte, die
das Land überwuchern. Die Pestizide, die sie vielleicht langsam
vergiften. Krankheiten und Parasiten, die aus allen möglichen
Teilen der Welt über sie hergefallen sind, eingeschleppt im Zuge
der transkontinentalen Verschickung von Zuchtbienen.
Inzwischen fehlt den Bienen auch der Mensch, der ihnen
Unterkunft bietet. In der freien Natur ist kaum noch Platz für
sie. Aber auch die Imker sterben aus, weil sie, wie in
Deutschland, oft Hobby-Imker sind, Pensionäre, die sich die
Anschaffung neuer und die Versorgung kranker Völker in jedem
Frühling aufs Neue nicht mehr leisten können. "Jedes Jahr
durchschnittlich drei- bis fünfhundert Euro, das ist eine Menge
Geld für einen Pensionär", sagt Tautz.
Ein Teufelskreis: Je schwächer die Bienen werden, desto teurer
wird ihre Haltung und desto weniger Imker gibt es. Tautz und
andere Bienenforscher fordern deshalb, dass der Staat die
Bienenzüchtung finanziell unterstützt. In Amerika ist die
Situation etwas anders. Zwar hat auch hier die Zahl der
Bienenhalter drastisch abgenommen. Das liegt aber auch daran,
dass sich das Geschäft konsolidiert hat. Denn ein Geschäft ist
die Imkerei in den USA zumindest teilweise geworden -
ironischerweise gerade deswegen, weil es nur noch so wenige
Bienen gibt. Seit Mitte der siebziger Jahre ist die Zahl der
Honigbienen in den USA um die Hälfte geschrumpft. Inzwischen
fahren mobile Bienenzüchter von Obstplantage zu Obstplantage, um
die Blüten von den Bienen bestäuben zu lassen. Solche Großimker
halten manchmal mehrere tausend Stöcke - bei einer
durchschnittlichen Koloniegröße von zwanzig- bis dreißigtausend
Tieren im Winter und bis zu sechzigtausend im Sommer. Heuer,
nach den gewaltigen Verlusten durch CCD, zahlen die Obstfarmer
manchmal das Dreifache des üblichen Hektarpreises für die
Bestäubung. Doch wenn solche kommerziellen Halter vom Colony
Collapse Disorder getroffen werden, dann kann das den Ruin
bedeuten. Ein Imker aus Pennsylvania investierte 15 000 Dollar,
um seine Bienen zur Bestäubung der Mandelblüten nach Kalifornien
zu bringen. Als er dort ankam, war keine einzige Kolonie mehr am
Leben.
Auf einen Satz verweisen betroffene Bienenzüchter und nüchterne
Bienenforscher inzwischen immer wieder, einen Satz, den Albert
Einstein einmal gesagt haben soll: "Wenn die Biene von der Erde
verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben;
keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr,
keine Tiere mehr, keine Menschen mehr. . .".
SZ / PETRA STEINBERGER

Aus der Berliner Morgenpost vom 7. November 2006:
Bienen können ähnlich planen wie Menschen
Bienen können ähnlich wie der Mensch ein vorher festgelegtes Tagesprogramm abarbeiten. In mehreren Experimenten haben Forscher der Universitäten in Würzburg und in Canberra nachgewiesen, dass Bienen rasch lernen, zur richtigen Zeit am rechten Ort das jeweils Richtige zu tun. Durch zeitlichen und räumlichen Wechsel der Versuchsanordnungen war zu erkennen, "dass Honigbienen die Information über Ort, Zeit und den dazugehörigen Handlungsbedarf als Arbeitsprogramm abspeichern und umsetzen können". dpa

Aus der Berliner Morgenpost vom 28. August 2006:
Berliner Bienenforscher über Insektentanz und Lernprozesse
Berliner Morgenpost: Als Neurobiologe beschäftigen Sie sich seit Jahren mit den Lernprozessen von Bienen. Was versuchen Sie jetzt herauszufinden?
Randolf Menzel: Meinen Sommer verbringe ich damit, dem seriellen Lernen auf die Spur zu kommen, und die logische Struktur zu finden, die Bienen bei diesem Lernen anwenden. Dabei geht es um die Frage, ob Bienen die Aufeinanderfolge von Objekten erkennen und ihren Flug danach richten. Dafür stehen jetzt in meinem Garten drei Meter lange Flugtunnel mit gelben und blauen Markierungen - die Bienen werden dressiert, je nach der Anordnung der Objekte nach rechts oder links zu fliegen.
Sind denn Landmarken Markierungen, die wie in einer Art Landkarte im Gehirn der Biene gespeichert sind?
Ja, das zeigen unsere Versuche mit kleinen Radarsendern, die wir auf dem Bienenkörper befestigen. Zur Orientierung genügt ihnen eine einfache Struktur der Landschaft, die sie auf ersten Flügen kennenlernen. Anfänglich führt sie ihr Autopilot, mit dem sie alle Strecken so berechnen, dass sie wieder zurück zum Stock finden. Dabei schauen sie sich die Landmarken an und speichern sie in einem kartenartigen Gedächtnis.
Hat der Schwänzeltanz, dessen Bedeutung Kinder in der Schule lernen, noch Gültigkeit?
Natürlich. Das haben wir kürzlich auch mit Radarantennen bewiesen. Bienen informieren ihre Stockgenossinnen tanzend über die Qualität, Entfernung und Richtung einer Nahrungsquelle, die mit Bezug zu ihrem Sonnenkompass angegeben wird. Dabei verrechnen Bienen auch die Zeitverschiebung zwischen den Angaben im Tanz und ihren eigenen Flügen. Für diese Entdeckung hat Karl von Frisch 1973 zu Recht den Nobelpreis bekommen, aber es bleibt spannend: Beschreibt der Tanz nur eine Flugstrecke oder einen Ort? Dieser entscheidenden Frage gehen wir jetzt nach. Dabei fragen wir, ob sich die Kenntnis, die eine Biene über den Ort hat, auch auf ihre Entscheidung auswirkt, den Angaben des Tanzes zu folgen.
Stimmt hier die Bezeichnung "Bienensprache"?
Nicht einmal im übertragenen Sinn. Der Begriff verwirrt eher - es gibt weder Grammatik noch Semantik. Bei diesem Kommunikationsvorgang handelt es sich um eine Art indexikale Anweisung.
Was heisst das?
Das ist wie ein Fingerzeig oder ein Wurf mit einem Ball. Die Bewegung des Arms und der Finger geben einen Ort an. Dort landet auch dann der Ball. Es handelt sich also um eine motorische Routine, keine Sprache. Und wie reichhaltig die Information ist, die übertragen wird, hängt vom Beobachter ab: Hat der Ort, auf den hingewiesen wird oder wo der Ball landet, eine Bedeutung für ihn?
Von rund 20 000 Bienenarten leben nur wenige in Staaten. Die meisten müssen also nicht derart kommunizieren. Gibt es also dümmere und klügere Bienen?
Die Frage stellt sich natürlich in Bezug auf die Kommunikation und das Gedächtnis. Alle Bienen besitzen Kenntnis über die Sonnenbewegung und sind fähig, Landschaften und vieles mehr zu lernen. Schließlich muss jede zu ihrem Nest zurückfinden - ob solitär oder sozial. Innerhalb der sozialen Bienen gibt es eine evolutionäre Entwicklung der Tanzkommunikation, die eng mit dem Nestbau zusammenhängt. Ausserdem variiert die individuelle Gedächtnisleistung.
Innerhalb eines Volkes?
Bestimmte Aufgaben werden je nach genetischer Veranlagung unterschiedlich bewältigt. Normalerweise existiert in einem Volk eine gute Mischung des verschieden guten Lernens.
Die Biene ist ein klassisches Modell der Neurobiologie, bekommt sie durch andere Insektenarten Konkurrenz?
Drosophilafliegen bieten durch die molekulare Genetik fantastische Möglichkeiten, welche die Biene nicht besitzt. Zudem leben sie solitär und entwickeln sich rasch, so lassen sich Mutationen gut an den anspruchslosen Individuen untersuchen. Allerdings sind Bienen in ganz spezifischen Fragestellungen zum Gedächtnis und Lernen gerade aufgrund ihres Soziallebens in Gemeinschaften von großem Vorteil. Das Bienengenom ist inzwischen entziffert, erlaubt einen modernen Ansatz, und bei keinem anderen Tier lässt sich komplexe Kommunikation so gut studieren.
Dabei finden Sie einige Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Biene?
Wir müssen uns bewusst machen, dass auch bei unserem hoch kognitiven Lernen eine Art stammesgeschichtliches Gedächtnis existiert. Eine gewisse Lernfähigkeit ist angeboren - und wie bei der Biene geben Gene den Rahmen vor. Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist graduell.
Das Gespräch führte Sonja Kastilan

Aus der Berliner Morgenpost vom 28. August 2006:
Staat der sanftmütigen Bienen
Im August übernimmt Wintervolk die Herrschaft. Milbenplage bedroht Bestand
Von Sonja Kastilan
Berlin - Langlebigkeit, Winterhärte, gutes Trachtverhalten und Orientierungssinn - alles wichtige Attribute. Selbst TNT kann eine Biene orten, aber auch ausgesprochen sanftmütig sein? Sie kann! Apis mellifera carnica vereint all diese Eigenschaften, von aggressivem Killerinstinkt keine Spur. Darüber hinaus schätzen Imker ihren Honigfleiss; auf diese Weise bevorzugt, hat sich die ursprünglich in Slowenien, Steiermark und Kärnten beheimatete Rasse in Europa durchgesetzt. "Ich arbeite ohne Schleier und Handschuhe mit den Bienen", sagt Professor Nikolaus Koeniger, der das Institut für Bienenkunde in Oberursel leitet. Etwas Rauch genüge heute, um das Insektenvolk auf Abstand zu halten. Und wenn doch eine Biene mit gezücktem Stachel den Stock verteidigt? "Jeder Stich wird mit einem Kreuz auf Zensurbögen notiert, damit wir nur die sanften vermehren." Kein Imker will mit seinen Gartenvölkern Nachbarn oder Kinder gefährden, deshalb beobachten die Züchter wachsam das Temperament ihrer Immen.
Koeniger und seine Mitarbeiter vollziehen die Zucht zur Sanftheit unter dem Mikroskop. Dort beeinflussen sie, was sich normalerweise hoch oben in der Luft jeder Kontrolle entzieht: die Befruchtung einer jungfräulichen Königin. An angestammten Sammelplätzen kann sie im Frühjahr unter 15 000 und mehr Drohnen den Richtigen wählen. Im Flug geht er eine enge Verbindung mit der zukünftigen Stammesmutter ein, führt sein zartes Paarungsorgan ein, um es mit Kraft seiner Körperflüssigkeit prall in Form zu bringen. "Eine ultimative Monogamie", nennt es Koeniger.
Denn der Drohn fällt nach dem sekundenschnellen Akt ab und tot zu Boden. Sein Samenpaket bleibt der Königin ihr Leben lang erhalten - allerdings nicht als einziges. Ihrem treuen Gemahl werden noch andere folgen, bis sie genügend Spermien für die Brut gespeichert hat. Und der Schleimpfropfen, den er hinterlässt, taugt wenig als Keuschheitsgürtel: Im UV-Licht lockt seine Reflexion andere Bienenmännchen an - für eine Kooperation post mortem: "Ohne ihr Sperma wäre auch seines für die Nachwelt verloren", erklärt Koeniger das komplexe Geschehen um die genetische Vielfalt eines Bienenvolkes. Durchschnittlich 15 Drohnen vernascht eine Königin auf ihrem Hochzeitsflug, vor dem oft der Schwesternmord steht. Dann ruft die lebenslange Pflicht. Drei bis fünf Jahre Dienst am Volk, das aus 40 000 bis 100 000 Individuen besteht. Das heisst 1500 Eier legen, täglich, in der Brutsaison.
Die eifrigen Nektar- und Pollensammlerinnen leben nur einen Sommer lang. Nach etwa sechs Wochen haben sie ihr Soll für den Sozialstaat erfüllt, das große Sterben beginnt. Ihre Vorräte nähren ein vergleichsweise faules, eiweisssattes Wintervolk, das jetzt im August allmählich die Vorherrschaft übernimmt und sechs Monate lang den Bienenstock hütet. Bis sich die Königin wieder ein Sommervolk in die Waben legt.
Für den Menschen haben Bienen seit Jahrtausenden Bedeutung, ihr Honig liefert energiereiche Süße. "200 Millionen Euro bringen die Völker in Deutschland", sagt Professor Kaspar Bienefeld vom Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf. Dabei besitzt das "viertwichtigste Nutztier" eine noch größere Bedeutung für den Obstbau: Bienefeld schätzt ihre Leistung als Blütenbestäuber auf die beachtliche Summe von rund zwei Milliarden Euro. Die sechsbeinigen Bestäuber besitzen einen enormen Einfluss auf unsere Kulturlandschaft und die Ökologie. Viele Pflanzen wie der Faulbaum, der Schmetterlingsraupen als Nahrung dient, sind auf die Bienenbefruchtung angewiesen. Dessen Früchte wiederum stärken Zugvögel vor ihrem Flug in Überwinterungsgebiete. Nun nehmen die Klagen der Obstbauern zu, die Bienen in ihren Plantagen vermissen.
Schwirrten in den 50er-Jahren noch sechs bis sieben Völker in einem Quadratkilometer, so sind es heute keine drei. Dass kaum noch Bienen summen, liegt vor allem am Schwund der Imker, deren Zahl der Imkerbund mit etwa 84 000 angibt, Durchschnittsalter 60 - es fehlt der Nachwuchs. "Gerade in den neuen Bundesländern gibt es kaum noch Bienenzüchter", sagt Bienefeld, der jedoch eine leichte Trendwende erkennt: "Seit zwei Jahren sind unsere Anfängerkurse überbucht." Das lässt die Forscher hoffen, das wichtige "Mitglied im Naturhaushalt" zu halten, während sie sich anderen Problemen widmen. Zum Beispiel Bienen züchten, die möglichst resistent gegen Krankheiten sind. "Indem wir solche Bienen gezielt vermehren, die sich aktiv gegen den Befall durch Varroa-destructor-Milben wehren können", sagt Bienefeld. Seine Mitarbeiter haben molekulargenetische Zeichen für Resistenzen entdeckt, die eine Selektion vereinfachen. Andere Teams setzen auf die im Rhabarber enthaltene Oxalsäure, um die Milbenplage zu bekämpfen.
Für den Erhalt zahlreicher Wildbienenarten müssen jedoch andere Lösungen gefunden werden. Die acht Arten der sozialen Honigbiene bedeuten laut Studien keine Konkurrenz. Auch der räuberische Bienenwolf ist keine echte Bedrohung. Doch in immer dichter besiedelten Gebieten haben Insekten wenige Chancen. Der Artenreichtum schwindet - nicht ohne wirtschaftliche Folgen, die Wissenschaftler wie Nikolaus Koeniger gerade beim Obstanbau befürchten. An Honig wird es dieses Jahr zumindest in Hessen nicht mangeln. "Bis zu 50 Kilogramm produzierten manche Völker", sagt Koeniger. Robinie und Esskastanie geben so dem Sommer ein Aroma.

Aus der Berliner Morgenpost vom 28. August 2006:
Leben in Staaten oder in Einsamkeit
Honigbienen
bilden Staaten und verbringen ihr Leben gemeinsam. Eine Königin führt den Staat an, ausser ihr gibt es Arbeiterinnen und Drohnen, also männliche Honigbienen. Insgesamt neun Arten sind bekannt, acht davon leben in Asien.
Einzelgänger
Die meisten der weltweit etwa 20 000 bekannten Bienenarten leben nicht in Gemeinschaften. Diese Solitär- oder Kuckucksbienen tun sich lediglich für die Aufzucht der Brut, zum Überwintern oder zum Schlafen zusammen. Es existieren auch Nistgemeinschaften und Wachdienste.
Verteidigung
Mit ihrem Giftstachel können sich Bienen wehren, die ihre Larven versorgen. Ausserdem nutzen sie ihn, um Beute zu erlegen. Da der Stachel mit Widerhaken versehen ist, bleibt dieser in der Haut von Menschen stecken, nicht aber im Chitinpanzer von Insekten. Nach einem Stich beim Menschen stirbt das Tier daher.
Ernährung
Im Gegensatz zu Wespen ernähren sich Bienen rein vegetarisch. Süße Blütensäfte und Pflanzenpollen sind ihre Hauptnahrungsquellen. Aus dem Nektar und ihren Körpersäften produzieren die Insekten Honig. Der dient allerdings nur als Wintervorrat.
Die Königin
wird durch eine spezielle Ernährung zur Anführerin. Ammenbienen füttern sie mit dem sogenannten Gelee royale. Sie ist das einzige geschlechtsreife Tier in einem Volk. hej

Aus der Berliner Morgenpost vom 6. August 2006:
Schock durch giftige Biester
Ein Bienenstich kann Allergiker töten. Mit gezielten Therapien können Ärzte jedoch fast jeden schützen
Von Heike Jänz
München - Wenn die Decke endlich ausgebreitet ist, der Kaffeeduft aus der Thermoskanne kriecht und der Pflaumenkuchen angeschnitten wird, ist das Picknick perfekt. Fast. Denn mit ziemlicher Sicherheit tauchen genau in diesem Moment jene Quälgeister auf, die so oft das Essen im Freien stören: Wespen. Oder Bienen. Mitunter auch Hummeln oder sogar Hornissen. Ein Stich dieser Insekten tut nicht nur weh. Für manche Menschen endet er sogar tödlich.
Rund drei Prozent der Bevölkerung, also etwa 2,5 Millionen Menschen, sind allergisch gegen Insektengifte. Einige so stark, dass sich die Muskulatur in ihren Bronchien zusammenzieht, der Blutdruck abfällt und sie ohnmächtig werden. Hierzulande sterben jährlich zehn bis 40 Menschen daran. "In unserer Klinik sind 90 Prozent der Patienten mit Insektengiftallergien überempfindlich gegen Wespen", sagt Professor Bernhard Przybilla, Leiter der Allergieambulanz in der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Nur jeder Zehnte verträgt das Gift von Bienen nicht."
Welche Stoffe darin Allergien auslösen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Bei Bienen spielen vor allem die Enzyme Phospholipase A2 und Hyaluronidase eine wichtige Rolle. Der Mensch besitzt zwar ähnliche Proteine, doch die unterscheiden sich so stark von denen der Tiere, dass der Körper die Bieneneiweisse als fremd erkennt. Aus ähnlichen Substanzen wie das Bienengift setzt sich auch das Sekret von Hummeln zusammen. Daher reagieren Allergiker häufig auf beide. Auch Wespen- und Hornissengift gleichen einander, unterscheiden sich aber deutlich vom Bienengift.
Gefährlich wird der Saft, wenn der menschliche Körper bei einem vorherigen Kontakt Antikörper der sofort reagierenden Abwehrtruppe IgE gebildet hat. Die sitzen auf den sogenannten Mastzellen und warten dort auf eine Attacke. Bei einem einzigen Wespenstich gelangen rund fünf Billionen Moleküle der Hauptallergene in den Körper - bei einem Bienenstich sogar noch zehnmal mehr. Ihre Struktur passt im schlechten Fall mit der Form der IgE-Antikörper zusammen: "So wie eine Hand in einen Handschuh", meint Bernhard Przybilla.
Dieses Zusammentreffen öffnet die Schleusen der Mastzellen. Ihr wichtigster Botenstoff heisst Histamin. In rauen Mengen verursacht das Gewebshormon einen Schock: Die Gefäße weiten sich, das Blut versackt, der Puls rast, der Druck fällt. Überall bilden sich Quaddeln, und plötzlich reicht die Sauerstoffversorgung nicht mehr aus - der Mensch wird bewusstlos.
Besonders gefährlich ist zudem die Wirkung von Histamin auf die Atemwege, denn die Substanz verengt die Bronchien. So entsteht lebensbedrohliche Atemnot. "In etwa der Hälfte der Fälle machen die Lungen die größten Probleme", so Przybilla.
Wer dann nicht sofort die richtigen Medikamente schluckt, für den kann es kritisch werden. "Wer bereits eine allergische Reaktion hatte, braucht ein Notfallset mit Kortison, einem Antihistaminikum und Adrenalin", sagt Bernadette Eberlein, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie der TU München. "Auch wenn er hyposensibilisiert ist."
Gemeint ist eine Immuntherapie, die Ärzte auch bei Allergien gegen Pollen, Hausstaub oder Milben einsetzen. Dabei spritzen die Mediziner genau jene Substanzen in geringer Menge unter die Haut, die die Immunreaktion auslösen. Mit dieser Strategie wird das Immunsystem sukzessiv an das Allergen gewöhnt. Die Dosierung ist zu Beginn noch gering, nimmt dann aber von Woche zu Woche zu. Nach einem Monat bekommt der Allergiker über drei Jahre alle vier Wochen eine Erhaltungsdosis.
Da es auch Therapieversager gibt, meint Bernhard Przybilla: "Ein Patient ist erst dann sicher geschützt, wenn er eine Stichprobe ohne allergische Reaktion überstanden hat." Was nach kalkulierender Statistik klingt, ist ein Test am Menschen: "Für die Stichprobe verwenden wir eine Biene oder Wespe - je nachdem, worauf der Patient allergisch reagiert - setzen sie auf seine Haut und ärgern sie", erklärt Przybilla. "Dann sticht das Tier zu, und wir warten ab, was passiert."
Falls der Patient reagiert, greifen Notfallmediziner sofort rettend ein. Meistens passiert jedoch nichts. "Bei keiner Allergie ist die Hyposensibilisierung so effektiv wie bei Insektengiften. Wir können nahezu 100 Prozent der Betroffenen schützen", meint Rüeff.
Dennoch nutzt nur jeder Zehnte von ihnen die Therapie. "Viele wissen nicht, wie wirksam die Therapie ist", so Bernhard Przybilla. "Ausserdem unterschätzen viele ihr Risiko, an einer anaphylaktischen Reaktion zu sterben."

Aus der Berliner Morgenpost vom 1. August 2006:
Honigschlecken in der Mini-Platte
500 000 Bienen wohnen in Wabenhäuschen auf dem Mauerstreifen
Kreuzberg "Vorsicht Bienen!" warnt ein gelbes Schild mitten in Berlin. Hinter dem Bauzaun auf der Brachfläche summt es: in acht Plattenbauten im Miniformat 1:20. Mitten auf der wilden Wiese am ehemaligen Mauerstreifen hinter der Bundesdruckerei in Kreuzberg (in Sichtweite des Fernsehturms am Alexanderplatz) ist derzeit ein ungewöhnliches Kunstprojekt zu sehen. In "Honey Neustadt" wird mitten in der Stadt richtiger Honig produziert. Und fast 500 000 Exemplare der Carnica, wie die Bienenrasse bei den Fachleuten heisst, haben dort ihr Zuhause - beziehungsweise ihre Wabe.
Hinter der vom Senat geförderten Installation steckt das Künstlerduo Harry Sachs (31) und Franz Höfner (35). Acht bis etwa 1,50 Meter hohe Mini-"Platten" haben sie bauen lassen, der bekannteste ist der Typ WBS 70. Hinter der Styroporfassade verbergen sich richtige Waben.
Alle neun Tage kommt ein Imker, um nach den Bienen zu sehen. Eine Million Tiere sollen es einmal sein. "Die Wohnungen sind jetzt halb voll", berichtet Sachs. An die Waben gelangen die Bienen durch einen Schlitz im Erdgeschoss der Mini-Wohnhäuser. Die Imker seien sehr zufrieden mit der Produktion: 150 Kilo waren es schon in den ersten sechs Wochen. dpa

Aus der Berliner Morgenpost vom 21. Juli 2006:
Mit Bienen schwindet Vielfalt der Pflanzen
In wenigstens zwei europäischen Ländern nimmt die Vielfalt von Bienenarten dramatisch ab. Ein internationales Team, dem der Deutsche Josef Settele vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle angehört, fand entsprechende Verluste unter jenen Pflanzen, die auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen sind. Nach einem Bericht in "Science" sank die Vielfalt der auf bestimmte Pflanzen spezialisierten Bienen in Großbritannien im Durchschnitt um 52 Prozent und in den Niederlanden sogar um 67 Prozent. dpa

Aus der Berliner Morgenpost vom 15. Juni 2006:
Parfums machen Wespen aggressiv
An schwülen Tagen sind auch Bienen besonders angriffslustig. Bestimmte chemikalische Stoffe reizen sie
Berlin - Die Sonne scheint, und das Picknick mitten auf der Blumenwiese ist im vollen Gange. Doch bei aller Idylle droht auch Ungemach - in Form von Bienen und Wespen. Wenn sie sich bedroht fühlen, stechen sie schon mal zu. Die Folgen sind unangenehm: Von einer Hautreaktion bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock reicht die Bandbreite der körperlichen Reaktionen.
"Am häufigsten kommt es auf Blumenwiesen zu Stichen", sagt Melanie von Orlow, Biologin und Expertin für Hautflügler beim Naturschutzbund Deutschland Berlin. "Wenn man sich in blühenden Klee und gleichzeitig in eine Biene setzt oder barfuß läuft und auf eine Biene tritt, wird das Tier gequetscht und wehrt sich." Das gleiche passiert, wenn eine Wespe genüsslich am Fallobst knabbert und getreten wird.
Die Honigbiene ist vor allem von Mai bis Juli aktiv. Wespen sind dagegen eher im August und September auf der Suche nach süßer Nahrung. "Die schnellen Bewegungen von Wespen werden häufig als Angrifflust interpretiert, doch die Tiere können nur bei hohen Fluggeschwindigkeiten scharf sehen", erklärt von Orlow. Wer dann versucht, das Insekt mit hektischen Bewegungen zu verscheuchen oder zu erschlagen, reizt das Tier und wird leicht zum Opfer. Wer Ruhe bewahrt, ist besser beraten. Meist fliegen die Wespen von selbst davon. Jedoch nicht immer: "Bestimmte Chemikalien in Parfums, Haarsprays oder anderen Kosmetika wirken wie Alarmstoffe und lösen Verteidigungsverhalten aus", sagt Biologin von Orlow. Intensive Duftstoffe sind deshalb bei Naturaufenthalten im Sommer tabu.
An schwülen Tagen sind Bienen und Wespen besonders aggressiv. Dann ist Vorsicht geboten. Das gilt auch, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Während sich ein Bienenstock umgehen lässt, wird ein Wespennest oft überraschend im Rolladenkasten oder Schuppen entdeckt. Dann ist sofortiger, langsamer Rückzug angesagt.
Im Notfall ist schnelles Handeln gefragt. "Der Stachel einer Biene, der in der Haut stecken bleibt, sollte schnellstmöglich entfernt werden, ohne dass der daran hängende Giftsack ausgedrückt wird", sagt Franziska Rueff, Allergologin an der Maximilians-Universität in München. Hierzu kann der Stachel seitlich mit dem Fingernagel ausgekratzt oder mit einer Pinzette herausgezogen werden. Dann wird die Stichstelle desinfiziert und gekühlt. Bei einer normalen Stichreaktion brennt oder schmerzt die Haut, rötet sich und schwillt an. "Die Schwellung sollte kleiner als zehn Zentimeter im Durchmesser sein und innerhalb von 24 Stunden wieder abklingen", sagt Rueff. Bei einem Stich im Mund oder Rachenraum sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, weil die Schwellung die Atmung blockieren könnte.
Rund drei Millionen Menschen leiden laut Rueff in Deutschland an einer Insektengiftallergie. Etwa 20 Menschen sterben jährlich an Folgen eines Stiches. "Durch den ersten Stich im Leben kommt es zur Ausbildung einer Allergiebereitschaft, allergische Symptome treten jedoch frühestens beim zweiten Stich auf." Bei der allergischen Reaktion sind entweder die Symptome an der Stichstelle deutlich ausgeprägter. Oder es treten binnen fünf Minuten bis einer Stunde nach dem Stich an einer ganz anderen Körperstelle Reaktionen auf. "Hierzu gehören Kribbeln in den Händen, Schwindel, Übelkeit, Kreislaufversagen oder gar ein Allergieschock", zählt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund auf. In diesem Fall sollte sofort der Notarzt gerufen werden. dpa


Aus dem Tagesspiegel vom 26.10.2006:
Arbeiterin mit Migrationshintergrund
Das Erbgut der Honigbiene ist entziffert. Jetzt steht fest, dass sie aus Afrika einwanderte
Von Dagny Lüdemann
Bienen haben ein Gehirn, das nicht größer ist als ein Stecknadelkopf. Trotzdem haben sie ein Gedächtnis wie ein Elefant und einen Orientierungssinn, der modernen Navigationssystemen in nichts nachsteht. Das Geheimnis ihrer Intelligenz, mit der sie ihr Leben in einem Staat organisieren, könnte in ihren Genen verborgen sein.
Jetzt ist es einem internationalen Team aus mehreren hundert Forschern unter Leitung der beiden Amerikaner George Weinstock und Gene Robinson gelungen, das Erbgut der westlichen Honigbiene, Apix mellifera, zu entziffern. Die Ergebnisse wurden zusammen mit anderen Arbeiten zur sozialen Organisation, zur Herkunft und zum Verhalten der auch in Deutschland heimischen Honigbiene im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht (Band 443, Seite 931).
Nach der Taufliege Drosophila – dem wichtigsten Versuchstier in der Geschichte der Genetik –, der Seidenraupe und dem Moskito ist die Honigbiene das vierte Insekt, dessen Erbgut bekannt ist. Mit Hilfe der neu gewonnenen Erkenntnisse lassen sich bereits jetzt Fragen beantworten, die sich Wissenschaftler seit Jahrhunderten stellen.
So konnten Charles Whitfield und seine Kollegen von der Universität Urbana-Champaign im US-Bundesstaat Illinois anhand des Genoms Rückschlüsse auf die Herkunft der westlichen Honigbiene ziehen. Zur Gattung Apis gehören zehn Arten, von denen neun aus Asien stammen. Aber die bei uns heimische Honigbiene Apis mellifera hat ihre Wurzeln in Afrika, südlich der Sahara. Vermutlich ist sie von dort in mindestens zwei, vielleicht aber sogar in drei Wellen nach Europa eingewandert, schreiben die Forscher im Fachblatt „Science“ (Band 314, Seite 642).
Ausserdem stellten Biologen bei der Untersuchung eines in Bernstein eingeschlossenen Fossils fest, dass die Honig sammelnden Insekten schon deutlich länger auf der Erde leben, als bisher angenommen. Der Zoologe George Poinar von der Universität in Corvallis im amerikanischen Bundesstaat Oregon hatte den Bernsteineinschluss vor etwa drei Jahren entdeckt. „Als ich das Steinchen polierte, erkannte ich darin sofort eine winzige Biene“, sagte der Forscher dem Tagesspiegel. Das von ihm entdeckte Fossil ist mit rund 100 Millionen Jahren fast doppelt so alt wie alle bis dahin gefundenen Überreste von Honigbienen (siehe Kasten).
Obwohl das jetzt entzifferte Bienen-Genom mit etwa 300 Millionen DNS-Bausteinen nur ein Zehntel so groß ist wie das des Menschen, ähnelt das Erbgut der Honigbiene unseren Genen mehr als das anderer Insekten. Biologen glauben, das könnte mit der sozialen Lebensweise von Mensch und Biene zusammenhängen.
Bienen pflanzen sich – genau wie der Mensch – sexuell fort. Das hat den Vorteil, dass sich das Erbgut bei der Weitergabe von einer Generation zu nächsten immer wieder durchmischt und neu kombiniert. Nur so können Erbschäden korrigiert werden und durch Selektion aus dem Fortpflanzungskreislauf verschwinden. Doch die Bienenvölker haben im Vergleich zum Menschen ein Problem: Weil alle Arbeiterinnen Töchter der Königin und somit Geschwister sind, ähnelt sich ihr Erbgut stark. Ausserdem ist die Nachkommenschaft von Bienen recht klein, da die Arbeiterinnen sich nicht fortpflanzen. Eine zu geringe Auswahl an Genen in einer Population (Genpool) kann aber gefährlich sein: Denn hätten alle Bienen in einem Volk identische Gene, könnten Parasiten sich daran anpassen und die Kolonie mit einem Schlag ausrotten.
Martin Beye und seine Kollegen von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf haben jetzt herausgefunden, wie die Bienen diesem Problem begegnen: Nämlich durch eine besonders hohe Rekombinationsrate. Die Gene der Honigbienen durchmischen sich schneller als bei jedem bisher untersuchten Tier. „Das erhöht die genetische Vielfalt im Bienenvolk“, schreiben die Forscher im Fachblatt „Genome Research“ (Band 16, Seite 1344). So können sich Bienen eines Volkes trotz ihrer engen Verwandtschaft schnell auf bestimmte Aufgaben im Staat spezialisieren und sich an veränderte Umweltbedingungen anpassen.
Obwohl der Mensch sich seit etwa 9000 Jahren mit Bienen beschäftigt, geben sie Forschern auch nach der Entschlüsselung des Genoms weiterhin Rätsel auf. Denn die Funktion jedes einzelnen der 10 000 Gene ist noch lange nicht erforscht. Der Zoologe Edward Wilson von der Havard-Universität in Cambridge hofft, dass das Bienen-Erbgut Aufschluss darüber geben wird, wie sich soziale Lebensformen bei Insekten – und letztlich auch beim Menschen – entwickeln konnten. Ausserdem könnte jetzt endlich das Geheimnis gelüftet werden, warum Bienen scheinbar hochintelligent sind. Sie merken sich den Weg zu einer Blüte anhand von markanten Punkten in der Landschaft. Mit einem komplizierten Tanz erklären sie den anderen Bienen im Stock später den Weg zur Nahrungsquelle. Ausserdem produziert die Königin einen Duftstoff (Pheromon), der bei den Arbeiterinnen die Entwicklung der Eierstöcke hemmt. Wenn sie sich fortpflanzen will, legt die Königin unbefruchtete Eier, aus denen die männlichen Bienen (Drohnen) schlüpfen.
Dass Bienen all das trotz ihres „Fliegenhirns“ können, lässt nur einen Schluss zu: Die meisten der komplexen Verhaltensweisen dieser Tiere müssen genetisch programmiert sein.

Aus dem Tagesspiegel vom 26.10.2006:
Biene in Bernstein / Harz konservierte das Ur-Insekt
In einer Mine im südasiatischen Myanmar (früher Birma) fanden Forscher ein in Bernstein eingeschlossenes Insekt. Das rund 100 Millionen Jahre alte Fossil ist nur knapp drei Millimeter lang – sieht den heutigen Honigbienen aber erstaunlich ähnlich. Am „Oberschenkel“ (Femur) trug die Ur-Biene bereits gespaltene Haare, an denen sich Blütenstaub besonders gut verfängt. Das ist ein Indiz dafür, dass Bienen schon in der frühen Kreidezeit Pollen sammelten und damit zur Bestäubung, also zur Fortplanzung von Blütenpflanzen beitrugen. Dass die Ur-Biene so winzig war, wundert die Forscher nicht: „Zur Kreidezeit hat es auch winzige Blumen gegeben“, berichten sie im Fachblatt Science (Band 314, Seite 614). dal

Aus dem Tagesspiegel vom 18.11.2006
Das Genom der Honigbiene ist entschlüsselt
Maja hat keine Geheimnisse mehr. Das Vorbild der kleinen Zeichentrickheldin, die westliche Honigbiene (Apis mellifera), ist nach der Fruchtfliege, Seidenraupe und Moskito-Mücke das vierte Insekt, dessen Gensequenz vollständig entschlüsselt worden ist. An dem Projekt sind 170 Forscher aus 16 Ländern beteiligt – darunter auch Biologen der Freien Universität Berlin.
Die Honigbiene besitzt nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler genau 10 157 Gene – der Mensch hingegen über 35 000. Trotz dieser kleinen Gen-Ausstattung sind Bienenvölker genauso sozial strukturiert wie Menschen und schaffen es, die Aufgabenverteilung in ihrem Staat bis ins Detail zu regeln. Diese Fähigkeit verdanken sie Genen, die bei ihnen eine andere Funktion haben als bei den übrigen Insekten: Die Gensequenz, die bei der Biene die Sozialstruktur ausbildet, steuert zum Beispiel bei der Fruchtfliege die Entwicklung des Gehirns. Mit Genen, die der Gedächtnisbildung der Bienen zugrunde liegen, haben sich die Neurobiologen Dorothea Eisenhardt und Gérard Leboulle von der Freien Universität Berlin beschäftigt. Sie fanden unter anderem heraus, dass bestimmte, für das Lernen wichtige Gene bei der Biene seltener vorkommen als beim Menschen, aber genauso häufig wie bei der Fruchtfliege.
Im Gegensatz zu Fruchtfliegen sind Bienen keine Feinschmecker: Bei ihnen sind weitaus weniger Gene für den Geschmackssinn zuständig als bei anderen Insektenarten. Deutlich mehr Gene hat die Biene dagegen für Geruchsrezeptoren. Die braucht sie für die Nahrungssuche, zur Orientierung sowie zur Wahrnehmung von Duftstoffen, mit denen sie kommuniziert.
Eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts ist, dass fast die Hälfte der Bienen-Gene denen des Menschen gleicht. Das Genom der Honigbiene könnte der Humanmedizin bei der Bekämpfung von Krankheiten und in der Altersforschung Impulse geben. Ilka Seer
